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“Sie sehen wo ich bin Dottor Serafico…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

75

Data completa:

1913 ott. 26 ?

Descrizione:

Briefwechsel: n. 174

Trascrizione:

Sie sehen wo ich bin Dottor Serafico, und wo ich gestern Ihre Briefe erhalten habe. Wegen den Büchern schicke ich gleich den Zettel an Pascha, der in Duino ist, wo er Feste!! gibt!! Daß Ihnen heuer Paris nicht zusagt thut mir schrecklich leid - und ich weiß nicht recht was ich -Ihnen sagen soll - Ihnen dem ruhelosen Wanderer - Merkwürdig war es mir daß Sie sich mit Egypten befassen, denn, wissen Sie D. S. daß ich mich jetzt auch mit Egypten befasse - es ist nämlich eine noch sehr nebelhafte Möglichkeit daß wir nach Egypten heuer fahren Alex und ich - wie, wann, noch unbestimmt- auch mit wem wir vielleicht eine Dahabieh nehmen würden um Cooklos den Nil zu befahren. Wenn wir noch einen Platz darauf frei hätten (vielleicht fahren wir auch allein) würden Sie die Idee als unser Gast die Nilfahrt zu machen, ins Auge fassen? Ich möchte am Liebsten nur wir zwei, Sie und vielleicht die Pia V(almarana) - aber wie gesagt das alles ist noch unklar - Nur der Zeitpunct wäre ungefähr Ende Dezember auf zwei Monate die ganze Reise - Antworten Sie mir gleich D. S. und bitte sagen Sie niemandem etwas davon - Wie gesagt ich weiß noch nicht ob Alex es irgendjemandem schon gesagt hat-, er hatte eine Menage vor, von der ich aber nicht glaube daß sie kommen werden. - Ich hoffe eigentlich sie kommen nicht, denn es wäre herrlich Sie mitzuhaben. Wir wollen eine kleine Dahabieh en cas que; für 4 oder für 6. Bitte schreiben Sie mir was ich über Egypten lesen sollte - Vielleicht ist das alles nur eine Fata Morgana - wie so vieles in meinem Leben. Gegina ist nicht hier. Ich sage Ihnen ganz aufrichtig daß wir nicht auf einem guten Fuß sind, und wohl niemehr sein werden. Ihre Undankbarkeit vis-à-vis von Alex dem sie alles verdankt kann ich wohl nie vergessen. Gesundheitlich geht es ihr viel besser. - Das Leben hier fließt ein wenig traumhaft vorbei. Ich sehe Fritz sehr viel und bin sehr froh darüber. Franchetti kommt und spielt mir vor; P(adre) Ghignoni, Damerini, Bon - alle venetianer Freunde - Brown ist gestern angekommen - Lange Gondelfahrten wie in lebendig gewordenen Märchen - Antiquare - kleine vergessene Kirchen - Letzthin eine merkwürdige Prozession vom Redentore zu S. Eufemia: eine wunderhübsche außerordentlich «elegante» Madonna schien von unter ihrem goldenen Baldachin mit ihren «devotus» zu coquettiren - Geistliche in Prunkgewändern und mit großen Bärten, Männer in rothen, weißen, blauen Kitteln enorme, rosenbekränzte Kerzen tragend folgten ihr. Alles das spiegelte sich in der Lagune - und als sie weiter waren sah man nur in der Dämmerung unzählige wandernde Sternlein. Ich muß dieser Tage an Annette Kolb schreiben. Sie wird wohl nicht mehr kommen können und ich bin auch zu unsicher mit meinen Plänen. Ich habe leider den Maler Meditz in Duino verfehlt - Sie wissen diesen merkwürdigen Menschen der so vieles von «Spirits» erzählt. Er wollte mir diessmal über das «Reïncarnationsthema» erzählen. Daß die «Unbekannte» nicht mehr kommt wundert mich nicht - aber thun Sie sich ja nicht selbst damit befassen D. S. ich glaube das wäre das Allergefährlichste und Schlechteste für Sie. Überhaupt ist es mir leid daß Sie nicht etwas länger bei dem Doctor der Sie behalten wollte, geblieben sind. D. S.! bei aller Ihrer Sanftmuth sind Sie doch stützig, stützig - je ne veux pas dire comme quoi, parce que je manquerais absolument au respect que l‘on doit aux poètes. Mais savez-vous que je ne suis pas du tout, mais pas du tout étonnée de votre impression sur Werfel - j’étais sure qu’il serait comme cela. Certes j’ai beaucoup admiré ce que vous m’avez donné de lui-mais il y avait quelque chose qui par moment me répugnait - instinctivement. Le ménage Régnier est ici - ils viennent demain prendre le thé chez moi, et je voudrais leur montrer Duino -seulement la semaine prochaine Pacha donne une sauterie avec archiducs etc. - et alors i1 vaut mieux attendre - pourvu que le temps ne se gâte pas. - Je voudrais causer avec vous, Dottor Serafico! Il n’y a qu’avec vous que l’on cause vraiment bien et cela parce qu’il y a en vous une si extraordinaire compréhension - avec Kassner on cause parfois merveilleusement, mais parfois de nouveau on le sent si loin, si détaché - J’attends justement le Padre Ghignoni pour relire les Elegies-je lui dirai ce que vous m’écrivez - i1 sera enchanté. - Que vous ne soyez pas fou de Claudel me fait plaisir - ich komme nicht recht weiter! Au revoir Doctor Seraficus - Peut-être que, voyageant cet hiver, nous trouverons votre cæur, «pélerin passionné» sur les routes lointaines - toutes ces routes où nous meurtrissons nos pieds à la poursuite d'un mirage qui s’évanouit, renait, et s’évanouit de nouveau - sans cesse - jusqu’à la fin. Je suis triste en vous écrivant - je vous sens si inquiet, si angoissé, si sombre ... - Gott mit Ihnen! MT
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