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“Serafico carissimo. Sie haben mir eine grosse Freude gemacht…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1922 nov. 04 ?

Descrizione:

Briefwechsel: n. 382

Trascrizione:

Serafico carissimo - Sie haben mir eine große Freude gemacht mit den Sonnetten, ich habe sie gelesen und wieder gelesen - wissen Sie daß diese zwei Tage in Sierre, zwei sehr leuchtende Puncte in meinem Leben bilden - wenn ich darüber nachdenke ein seltener Accord. J’ai une âme voyageuse - je jouis infiniment d’un milieu nouveau quand il m’est sympathique; je retourne aux étonnements ravis de mon enfance - les montagnes me semblent recéler de merveilleux mystères, les vallées se prolongent en visions d’azur fantastique. À Muzot l’air frais et suave était pour moi l’essence errante des roses et de la neige - et avec tout cela, vous Serafico, vous et le Dieu qui chantait! Mais il faut quitter les Oasis avec leurs palmes et leurs eaux courantes, et rentrer dans le désert morne, superbe et cruel de la vie. - J’y suis en plein, et vous aussi ce me semble - Rappelez-vous que Lautschin vous est et vous sera toujours ouvert, que nous y soyons ou que nous n’y soyons pas. En cas que, vous n‘auriez qu‘à telégraphier: J‘arrive, et tout sera prêt et dans la joie. - Vorderhand sind wir allein hier mit dein guten Professor; den müßten Sie spielen hören; er ist enorm gewachsen in der letzten Zeit - und vor ein paar Tagen war ich sehr erfreut von Jemandem der seinerzeit viel mit Rubinstein war, zu hören, daß dieser Betreffende die Appassionata seit Rubinstein nie mehr so gehört hatte. Ich bin Ihnen sehr dankbar ihn recommandiren zu wollen, denn er ist schon einer von den ganz Großen und Beethoven spielt jetzt keiner so wie er. Bis seine Tournée in Deutschland bestimmt ist, lasse ich es Ihnen gleich wissen. Ich habe jetzt das letzte (glaube ich) von Mme de Noailles gelesen, Les forces éternelles - Obwohl sie sich ein wenig wiederholt und es nicht immer ganz à la hauteur von den früheren Sachen ist, findet man doch vieles sehr sehr Schönes darin - Die Fürstin Bibesco (die sie nicht sehr mag bien entendu) hatte mir gesagt daß sie gar nicht mehr so bewundert würde - aber eben, ich weiß nicht ob der Wunsch nicht der Vater des Gedankens war - Sie kennen diese Gedichte, nicht wahr? «Le nommé Jeudi», «the man who was Thursday» habe ich vor Jahren gelesen - ich hatte es damals riesig unterhaltend gefunden, auf Ihr «geheimnissvoll» hin, will ich es wieder ansehen. Auch George Moore habe ich recht gerne - er hat merkwürdige Bücher, herb und grausam manchmal, finden Sie nicht - Ich lese gerade jetzt sein «The coming of Gabrielle» ein Stück, kann aber nicht sagen daß es mir besonders gefällt - Aber von gewissen Autoren sind die Bücher die einem auch nicht sehr gefallen noch immer interessanter als die «unterhaltenden» der Menge. Ich werde mir Le Génie latin von Anatole France kommen lassen. Was ist mit Ihrem séjour in Frankreich? Sie wollten doch zu André Gide wenn ich mich nicht irre? Ich rühre mich nicht vorderhand; Alex hat enorm viel zu thun, und leider hilft ihm niemand. Fritz ist in Rapallo, es scheint ihm etwas besser zu gehen - wenn es nur dabei bleibt! Ich suche krampfhaft nach einer neuen Wohnung, aber die Heirat von Andrea ist verschoben und ich weiß nicht warum, aber ich glaube immer daß schließlich nichts daraus wird. Haben Sie etwas davon gehört? - Ich hoffe so für Sie daß Ihnen Muzot erhalten bleibe - und daß Sie die ideale Wirthschafterin finden - wie schade daß diese nette Person die damals dorten war, nicht bleiben konnte! Von Pascha habe ich ein Telegramm daß er am 27ten glücklich in New York gelandet ist. Ich erwarte mit Ungeduld seine ersten Eindrücke! Herzliche herzliche Grüße, Serafico carissimo, von Alex und mir - Prof. läßt sich bestens empfehlen und liebt die Elegien! MT
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