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“Serafico carissimo. Schon eine Ewigkeit will ich Ihnen schreiben…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1922 ott. 21

Descrizione:

Briefwechsel: n. 380

Trascrizione:

Serafico carissimo - schon eine Ewigkeit will ich Ihnen schreiben - letzthin mit Aline Küenburg, welche hier war, zwei Tage, sammt Gatten - und es war immer so viel los daß ich nicht dazu kam - Jetzt sind wir momentan in einsamer Herrlichkeit Alex, Professor und ich et je vous arrive au galop. - Wissen Sie daß ich einige von Ihren Elegien schon fast auswendig weiß, je mehr ich mich darinnen vertiefe desto mehr Schönheiten finde ich. Es war ein großer Genuß sie mit Kassner zu lesen - er wollte Ihnen selbst darüber schreiben und hat es gewiß schon gethan. Leider ist er schon seit ende September fort. Ich habe sein Hiersein sehr genossen, aber wenn Sie auch hier erschienen wären, Serafico, wäre es herrlich gewesen! Ich denke Sie sind ruhig in Muzot - waren Sie in Paris? Unser Professor gibt am 24ten in Prag ein großes Conzert mit Orchester - in November spielt er in Wien in der großen Schubert-Festwoche; dann macht er vielleicht eine zweite Tournée in Deutschland, wo er vor kurzem mit großem Erfolg gespielt hat. Lieber Serafico könnten Sie ihm etwas Propaganda machen und in welchen Städten? Ich hätte so gerne Annette Kolb geschrieben, aber wußte nicht ihre Adresse. Kippenbergs denen ich einen Zettel sandte waren leider nicht in Leipzig - In München kenne ich sehr wenig Menschen - und es wäre so wichtig daß er gehört wird und richtig eingeschätzt. So wie er, kenne ich keinen Beethoven Spieler. Haben Sie erfahren daß Olga Dietrichstein Braut ist? Sie macht eine sehr reiche aber sonst nicht brillante Heirat. Einen gewissen Ritter von Daubek - Sie haben ihr Vermögen mit Mehl gemacht, und natürlich rümpft man sehr die Nase. Aber er soll sehr nett und wohlerzogen sein, eher hübsch, schließlich wenn das Mädel zufrieden ist, ist es die Hauptsache; sie hat es sich zwar ziemlich lange überlegt, aber jetzt wird sie doch «die schöne Müllerin». Die Hochzeit schon in November in Wien. Und mein guter Pascha ist am 17ten von Rotterdam nach New York abgesegelt, - er hat eine Menge Einladungen, auch einiges Geschäftliche abzuthun, und freut sich riesig auf die Fahrt. Ich weniger, denn es ist mir weit und lang. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich! Ich habe jetzt Corneille wieder gelesen - mir ist doch Racine viel lieber. Auch die «Trophées» von Heredias, und einiges von Mme de Noailles habe ich heraus geholt, und war wieder sehr entzückt - diese Sonette von Heredias sind wirklich wie alte Goldmünzen! - Was ist jetzt zu Lesen? Ist die Fortsetzung von Sodome und Gomorrhe erschienen? Ich möchte lieber Serafico daß Sie meine zwei Enkelinnen jetzt sehen könnten. Sie sind beide zu dick aber die Köpfe sind reizend - und Maridl, zu monumental aber doch wie eine Statue, mit dem ganz kleinen griechischen Kopf auf dem sehr langen runden Hals - lange schlanke Arme, wunderschöne Hände. Lori hat einen ganz gekrausten goldrothen Schopf, und Pracht-Züghe - Nur die ist nicht groß genug und viel zu stark. - Sie muß «entfettet» werden. Vorderhand rühre ich mich nicht; möchte gerne unsern Freund Sternberg ein wenig hier haben;·er war sehr nett für den Professor in Berlin. Seine Übersetzungen von Moreas finde ich sehr gut - Und nun Serafico carissimo lassen Sie was von sich hören! Ich zittere auf die Sonette! Aber sonst bin ich etwas traurig etwas down-hearted, brauche die, Freundschaft meiner Freunde! Alles alles Herzliche MT
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