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“Was soll ich Ihnen sagen Serafico!…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1922 ago. 18

Descrizione:

Briefwechsel: n. 379

Trascrizione:

Was soll ich Ihnen sagen Serafico! Wie soll ich Ihnen meine Freude und meinen Stolz ausdrücken - Gestern ist Ihre wunderbare Sendung angekommen; ich habe mich in meinem Zimmer eingesperrt um ruhig zu lesen, ungestört (nicht leicht denn wir sind an die 20 bei Tisch!) und bin in die traumhafte Stimmung von Muzot wieder hineingekommen - Wirklich ich habe geglaubt ich höre Sie wieder - Leider leider ist Kassner vorgestern abgereist aber er kommt in 14 Tagen zurück, wie herrlich wird es sein die Elegien mit ihm zu lesen. Die welche mich bis jetzt am Meisten ergreifen sind die dritte und die zehnte - aber bei Ihnen entdeckt man neue Schönheiten jedesmal wenn man Ihre Worte liest - Heute lese ich noch die ganzen Elegien durch, mit Kerschbaumer der schon darauf zittert. Auch Maridl ist ganz aufgeregt und möchte zuhören - Das entzückende kleine Buch kommt zu Ihren andern Manuscripten in dem kleinen chinesischen Möbel in der Bibliothek; eine Sienesische Madonna süß und verträumt hält darüber Wache - Ach Serafico welchen Schatz haben Sie mir da gespendet und wie kann ich Ihnen je genug dafür danken! Am Liebsten thäte ich es mündlich, aber ich habe keine rechte Hoffnung gehabt, Sie noch heuer zu sehen, und verstehe Ihre Projecte und daß Sie gerne ruhig in Muzot bleiben - Am Liebsten käme ich nach Sierre, aber natürlich das wäre nur für das nächste Frühjahr. In diesem Herbst will ich nur nach Darmstadt, zur Tagung - ende September; sonst rühre ich mich auch nicht. Die vielen Menschen die ich jetzt hier habe, machen mich etwas müde - Ménage Erich mit 5 Kindern, Ménage Fritz Taxis mit 3 - dazu Hofmeister und Gouvernanten - in Mzell sind die lieben Kleinen von Pasha ;- diese ganze kleine Welt wirbelt um einen herum - Ich würde übrigens sehr wünschen daß Sie meine 2 großen Enkelinnen sehen würden - beide haben entzückende Köpfe - die eine braun mit dunkelblauen Augen - die andere mit roth-goldenem gelocktem Haar und weiß wie Schnee. Herzensgute Mädeln, Marie Ihre große Verehrerin ist sehr betrübt daß Sie nicht kommen. Sie können sich aber denken daß, mit diesen vielen Gästen, ich kaum zu irgend einer ruhigen Stimmung komme. Auch Kassner konnte ich nicht so recht genießen - hoffe es später einzubringen und werde ihn bitten mir sein letztes Buch vorzulesen. - Der Professor spielt schöner denn je. Sollte er später eine Tournée in Deutschland machen und nach Leipzig kommen, möchte ich Sie sehr bitten ein paar Worte über ihn Kippenbergers (wenn sie überhaupt musikalisch sind) zu schreiben. Die Zeit ist leider so schlecht für Musiker ... Serafico carissimo, wissen Sie die Adresse von Annette Kolb? Ich muß schließen - ich höre schon «Lützows wilde, verwegene Jagd» habe nur die Zeit Ihnen alles Erdenkliche zu sagen und meinen innigsten gerührtesten Dank MT Was die, «Unbekannte» jetzt schreiben würde?! Ich muß probiren Pascha jetzt wieder einmal dazu zu haben.
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