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“Serafico carissimo. Jetzt habe ich grosse Lust…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

208

Data completa:

1926 apr. 14

Descrizione:

Briefwechsel: n. 441

Trascrizione:

Serafico carissimo - Jetzt habe ich große Lust de jurer comme un païen weil Sie mir vorkommen wie die Statue vom Memnon die nicht einmal mehr bei Sonnenaufgang einen Laut von sich gibt - und wenn Sie sich einbilden daß ich wieder ein ganzes Jahr ohne Sie zu sehen vergehen lassen werde, so irren Sie sich sehr. Also ich komme wuthentbrannt und frage: Wo sind Sie, Serafico? Wie geht es Ihnen? Wo würden Sie, ende Mai - anfangs Juni sein? Nämlich je mijote un projet für diese Zeit ungefähr, und möchte wenn es mir zusammengeht in die Schweiz (aber heuer glaube ich nicht nach Ragaz) ich käme eventuell nach Sierre um Sie zu sehen - dann vielleicht nach Rolle - das alles von Duino aus wohin ich in Mai fahren möchte. Wie gesagt das alles ist noch sehr vague, aber ich möchte wissen ob und wo ich Sie finden würde. Also bitte um eine baldige Antwort, ich muß Sie wieder sehen. Eventuell komme ich per Auto und entführe Sie nach Duino. Außerdem will ich Ihnen sagen daß, wie es scheint, einige von meinen Übersetzungen in eine neue ital(ienische) Revue kommen sollen. Sie heißt Il Baretti und soll speziell fremde Dichter in Italien bekannt machen. Es sollen schon zwei Gedichte von Ihnen darinnen sein - ich weiß aber nicht von wem übersetzt. Wäre es Ihnen also recht? Ein sehr charmanter junger Mann, Graf Morra, den ich bei Berensons kennen lernte, hat mir diesen Antrag gestellt. Er hat meine Übersetzungen welche ich ihm auf seine Bitte geschickt habe, einem wie es scheint bekanntesten Kritiker vom Corriere della Sera gezeigt. Beide haben mir lang und breit darüber geschrieben, und außer ein paar kleinen Änderungen, nichts an meinem Italienisch auszusetzen gehabt. Die 1ste Elegie habe ich aber nicht geschickt - es ist so merkwürdig was der Lateiner nicht versteht. Der Orfeo scheint eine sehr harte Nuß gewesen zu sein - da glaube ich daß sie die Elegie absolut nicht verstehen würden. - Also auch darüber bitte ich um Antwort! Sie wissen daß Alex wieder in Afrika gejagt hat. Er kommt aber so Gott will bald zurück - und auch Pascha der mit Raymond in Tripolis weilte soll nächstens in Duino sein. Ich bin hier seit anfangs März; sehe viel Kassner der uns gestern abends etwas sehr schönes, neues, vorgelesen hat. Aber ich möchte, ich muß etwas von Ihnen hören Serafico carissimo und schließe mit den allerherzlichsten Grüßen MT Ich glaube nicht daß ich in die Schweiz führe wenn ich Sie nicht finden würde. Meine Projecte hängen also theilweise von Ihnen ab.
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