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“Serafico carissimo. Ihr Brief war mir eine grosse Enttäuschung…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

150

Data completa:

1921 mag. 13

Descrizione:

Briefwechsel: n. 337

Trascrizione:

Serafico carissimo - Ihr Brief war mir eine große Enttäuschung, aber ich tröste mich damit daß ich Sie doch jedenfalls in der Schweiz sehen werde! Ihr Telegramm spricht sogar davon daß Sie ein Obdach in Rolle oder in der Nähe von Rolle haben könnten. Das wäre mir das Liebste, denn ich habe nicht viel Zeit, und so könnte ich Sie und die Kinder sehen und dann direct über Basel nach Hause. Eventuell mit Ihnen, was herrlich wäre. Ich weiß nicht wie das Rötel in Rolle heißt, es soll einfach aber ganz gut sein, vielleicht würden Sie hinkommen wenn Ihr Kloster nicht das Richtige wäre? Ich kann nicht vor dem 18ten frühestens von hier weg; wegen den Wahlen (15 und 16ten) welche sehr mouvementirt sein sollen. Ich fahre mit dem guten Professor der von Villach wo er conzertirte, herkam, über Ravenna nach Florenz, Siena und dann Rapallo den Fritz besuchen. Dann Mailand wo ich den Zug nach Lausanne nehme, und Kerschbaumer mit meinem Auto nach Wien zurückfährt. Telegrafiren oder schreiben Sie eventuell, Rapallo Hôtel d'Europe; ich denke 25 oder 26ten hinzukommen und 3 Tage zu bleiben. Leider sehe ich die Pia gar nicht. Sie ist in Padua, pflegt die Tante Luisa - so komme ich auch keinesfalls nach Saonara, und kann Ihre Villa nicht sehen. Ich habe aber Giustina sehr darüber gefragt. Sie meint die größte Schwierigkeit wäre die daß Sie doch irgendjemanden zur Bedienung haben müßten und Giustina sagt daß das ganz unmöglich zu finden wäre - electrisches Licht soll auch keines sein, das wäre aber nicht so schlimm - aber was mir nicht gefällt gar kein Schatten - man müßte 20 Minuten gehen bevor einer erreichbar wäre. Vorderhand ist die kleine Villa unmeublirt, aber Pia schreibt Ihnen daß sie Möbeln verschaffen könnte glaube ich. Es sind ein paar Bauernhäuser in der Nähe. Ich weiß nicht was ich Ihnen rathen soll, Serafico carissimo. Einerseits weiß ich daß Sie sehr genügsam sind, andererseits, da ich doch die hiesigen Landinstallationen kenne, scheint es mir, besonders jetzt in der großen Hitze, etwas gewagt. Mir scheint daß es auch Giustina denkt. - Wissen Sie wo ich heute war (bitte sehr um Verzeihung ich finde kein anderes Papier!) in Murano - und vor unsern Augen machte ein Seguso (von der alten Hundertjährigen Familie der Glasermeister) eine entzückende kleine Vase, wie eine dunkelviolette Tulpe auf goldenem Stengel - die mir dann sehr aimable verehrt wurde - Da hätten Sie dabei sein sollen! Ich genieße sehr diese ruhigen zwei Wochen hier, bin aber froh nicht ganz allein zu sein. Kerschbaumer spielt mir auf der Spinetta, hat letzthin eine reizende kleine Weise fantasirt (welche ich ihn zwang nieder zu schreiben) - etwas schwebendes träumendes wie die kleine Seele einer Maske von Longhi - Ach Sie hätten hier sein sollen Serafico! Und wie soll ich es einrichten mit meinen souvenirs - wohin sie Ihnen schicken? Antworten Sie mir darüber bitte - Wie freue ich mich Sie bald wieder zu sehen! Alles Herzliche MT
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