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“Serafico carissimo. Ich war so froh…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1915 lug. 22

Descrizione:

Briefwechsel: n. 219

Trascrizione:

Serafico carissimo - ich war so froh etwas von Ihnen zu hören und will Ihnen vor allem sagen daß ich einen guten Brief von Pascha vom 20ten habe - da unten fürchterlich gekämpft wird können Sie sich denken mit welchem Herzklopfen ich immer die Post erwarte - Man schreibt nebenbei (und zwar nicht mir natürlich) daß er sich viel zu viel exponirt - und ich kann mir meinen Träumer denken, der in seiner stillen bescheidenen Art mehr leistet als alle anderen - Ich weiß daß Sie mit mir fühlen D. S. - und auch an Duino denken das jetzt so sehr in Gefahr ist, obwohl Gott sei Dank und unberufen vorderhand keine zu großen Schäden verursacht wurden. - Serafico ich muß Ihnen wegen dem Almanach antworten, habe mit Eduard Liechtenstein gesprochen der der Betreffende ist, und glaube es wäre gut wenn Sie auch dabei wären - wegen dem Patriotischen Zweck - jedenfalls werde ich in einigen Tagen E. Liechtenstein noch einmal sehen und Genaueres erfahren - ich konnte ihn nur telephonisch sprechen, und dann ihm eventuell, da Sie es mir erlauben, den St Georg geben. - Ich habe jetzt alle Gespräche mit Goethe gelesen - und wirklich dieser höchsten mildesten Weisheit nahe zu kommen, thut einem wohl - die Betrachtungen von Marc Aurel sind ja auch sehr schön -aber manchmal doch zu negativer Natur - Da ist mir Goethe näher - Jo Wallis bei dem ich zwei stille friedliche Tage verbrachte hat mir einige englische Bücher recommandirt und eines das er mir mitgab «Celibates» von Moore ist ein merkwürdig herbes Getränk - Auch Balzac habe ich wieder etwas unternommen - aber obwohl seine Gestalten mir ungeheuer deutlich und lebendig im Gedächtniss bleiben, so verschwimmen ihre Handlungen und Geschicke - es ist ganz sonderbar - und dasselbe geschieht mir bei Dickens -nicht bei Dostoiewsky oder Tolstoi - Aber eigentlich ist die Zeitung, das Extrablatt, die Hauptlectüre - alles hat denselben unheimlichen Schimmer - Mein Vetter Erwin H(ohenlohe) (Sohn von Konrad - der durch 10 Monate ganz gelähmt war und jetzt wieder anfangt zu gehen,) sagte mir daß ihm so schauerlich war während den Kämpfen der immerwährende alles anhaftende Geruch von warmem Blute - oh Serafico alles riecht darnach - auch unsere Thränen - Ich bin sehr nervos seit einigen Tagen, die große Hitze und alles Übrige - Gott helfe weiter und beschütze mir Kind und Haus - Alles alles Erdenkliche. MT
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