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“Lieber Serafico. Nur ein paar Worte…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

100

Data completa:

1915 giu. 11

Descrizione:

bordata a lutto Briefwechsel: n. 217

Trascrizione:

Lieber Serafico - Nur ein paar Worte für den Fall daß Sie gelesen hätten die italienische Meldung daß Duino bombardirt und eingeäschert worden sei. Gott sei Dank und unberufen, ist es zwar von der See aus bombardirt worden aber sie haben schlecht geschossen, nur 6 Schuß trafen und der Schaden war ganz minimal - Aber ich habe einen großen Schrecken überstanden denn ich wußte von nichts und erfuhr es durch ein Condolenz Telegramm von meiner Schwiegertochter Ligne!! Serafico denken Sie sich unser armes Märchenschloß! Pascha war am selben Tag in Duino - wo er noch anordnete schnell das Archiv zu retten - es ist durch den Gärtner von Sistiana hergebracht worden, und dazu auch eine Granate die in die ehem. Kindszimmer einschlug - Pascha hat enorm viel zu thun und erzählt mir riesig interessant und auf seine eigenartige traumhafte Art - Was ist mit Ihnen? schreiben Sie mir ein paar Worte Serafico - denn «Passa la nave mia colma d’oblìo Per aspro mare» - nur ist doch noch kein «oblìo» da - Alles alles Herzliche MT 12- 6 Les beaux esprits se rencontrent - gestern abends hatte ich die paar Zeilen geschrieben und heute früh bekomme ich Ihren Brief und füge meinen gestrigen noch schnell einige Worte zu - Sie können sich denken wie ich lebe - das Herz fort zitternd - und nach so vielen Richtungen hin - Ich habe so viel Großes zu ertragen aber auch die kleinen Nadelstiche sind mir nicht erspart - meine arme Schwester die im Anfang des Winters wirklich sehr gut und mitfühlend war hat jetzt wieder eine ganz böse Zeit - man sollte sichs nicht zu Herzen nehmen - aber wenn man schon sehr wund ist, spürt man nur noch mehr - Duino, Monfalcone, Sagrado, alle diese heimlichen friedlichen Orte - sind mitten drin im ärgsten Gefechte - darum wurde ich eben von D(uino) weggeschickt - und Sagrado - denken Sie, Sagrado, mein glückliches Haus - ist zur Hälfte gesprengt (von uns selbst weil es sehr wichtig als Lage ist) - was wird davon bleiben ... Alex ist in Lautschin, hat wieder erschreckend viel Arbeit und Sorgen; er kommt dieser Tage zurück -und ich bleibe vorderhand hier trotz der schauerlichen Hitze - weil ich doch näher von Nachrichten etc bin - Erich ist noch in Klosterneuburg, wird aber nächstens auch hinunter. Fritz in Lugano, sehr besorgt, der Arme um die Casetta - Ich freue mich daß Sie ein kleines Heim entdeckt haben - bin sicher daß Sie dorten wunderbar arbeiten werden - Denken Sie sich Serafico, wie Sie damals in Duino meinem Vetter Hohenlohe (der nebenbei zur Front ist) die Schlacht von Lepanto so lebhaft schilderten - hätten Sie gedacht daß ganz kurz darauf, auf der friedlichen See - unterm Schloß - feindliche Kriegsschiffe zum Angriff erscheinen würden - «per aspro mare»! ... Alles Herzliche nochmals MT.
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