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“Serafico carissimo. Ich soll Ihnen für 2 Briefe danken…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1925 feb. 06

Descrizione:

Briefwechsel: n. 423

Trascrizione:

Serafico carissimo - ich soll Ihnen für 2 Briefe danken, und wenn ich es noch nicht gethan hatte (nach dem ersten) so war es weil Sie mir in den nächsten Tagen eine Revue versprochen hatten welche bis jetzt nicht gekommen ist. Indessen, gestern abends erhielt ich Ihren zweiten Brief, freue mich sehr daß man Kassner auch dorten anerkennt. Die Übersetzungen schicke ich natürlich so bald als möglich, aber ich muß sie fertig copiren, nämlich die Elemente - welche noch nicht ganz mit der Maschine abgeschrieben sind. Aber in ein paar Tagen bin ich fertig seulement ce sera très mal copié, parce que je n‘ai personne ici qui puisse le faire en français - und ich bin sehr ungeschickt und momentan außer Übung - Bin sehr neugierig ob man mit meiner Arbeit wird rechnen können; es war wirklich manchmal sehr sehr schwer. An den Elementen habe ich noch viel gefeilt seitdem Sie sie gehört haben. Die Bücher von Kassner habe ich leider nicht hier und in Loučen ist leider niemand der sie finden würde - Sie wissen daß ich die neueren Auflagen gebrauchte wo einiges geändert ist, das macht es noch complicirter. Ich habe heute Kassner citirt und ihm Ihren Brief vorgelesen; auch ihn gefragt weil Carl Burckhardt das eine, (Dilettantismus) schon hatte. Kassner sagt es macht nichts. Jedenfalls da C. B. in Paris ist können Sie es ihm sagen, nicht wahr, und haben es vielleicht schon gethan. Also ich war wirklich froh etwas von Ihnen zu hören; es war schon wirklich eine Ewigkeit daß ich nichts wußte, und man sagte mir nur Sie wären nicht in Muzot. Aber daß Ihr Sympaticus sich so rebellisch benommen hat gefällt mir gar nicht. Nur glaube ich daß die zu große Einsamkeit in Muzot - obwohl es gar so reizend ist - doch nicht gut für Sie war. Man braucht von Zeit zu Zeit etwas Zerstreuung und Änderung - der Meinige ist bis nach Afrika gelaufen um von unseren entsetzlichen Zuständen in Böhmen etwas los zu kommen. Ich habe ein Telegramm von ihm aus der Wildniß mit «good sport» erhalten - Pascha wieder, ist in Tunesien und malt von früh bis abends - Erich Gabriele und 3 Kleine sind in St Anton am Arlberg, hier sind nur die zwei großen Mädeln und ich hause vorderhand mit dem Prof. Kerschbaumer der aber nächstens auf Conzerten abreist. Meine 6 Wochen in Rom habe ich sehr sehr genossen, und Kassner und ich, wir haben uns verliebt in einem, neu ausgegrabenen etruskischen Apollo der etwas Fabelhaftes ist. Er hat mich ganz besonders interessirt weil ich gerade ein Buch über Atläntis gelesen habe, und die Etrusker sollen eine Colonie von den Atlanten sein. Also Sie haben Anna de Noailles wiedergesehen, und Marthe Bibesco - Sie wissen que ces deux se détestent - je vous en avertis - bitte schicken Sie mir die Adresse von Marthe ich möchte ihr gerne schreiben, bin nebenbei sehr froh meinen kleinen Racine wieder zu kriegen - Wie haben Sie Boni de Castellane entdeckt!! Grüßen Sie ihn von mir, und sagen Sie ihm ich habe gerade seine Memoiren gelesen welche mich sehr interessirt und unterhalten haben. Nur bin ich nicht ganz im klaren wen Sie meinen mit der Comtesse Jean de Castellane - denn es wäre seine Schwägerin, Tochter des Fürsten von Sagan, verwittwete Fürstin Fürstenberg-außer Sie meinen wirklich eine Schw(ieger)Tochter - ich weiß daß ein Sohn von Boni geheiratet hat aber ich weiß nicht ob er auch Jean heißt. Wissen Sie, Serafico carissimo, daß Sie hie und da bei Gelegenheit ein Wort über unseren Professor sagen könnten - er wird vielleicht später nach Paris kommen - Sie können ruhig sagen daß er der beste Beethoven Spieler der Jetztzeit ist - ich habe letzthin in Rom Paderewsky gehört - sein Chopin unübertrefflich, aber sein Beethoven mit dem Kerschb(aumers) gar nicht zu vergleichen - Wann werden denn die Gedichte von Valéry wieder erscheinen!! je les demande continuellement à tous les échos! Alles alles Herzliche und nächstens die Übersetzungen. MT
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