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“Serafico carissimo. Habe ich Ihnen geschrieben?…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1924 apr. 04

Descrizione:

Briefwechsel: n. 410

Trascrizione:

Serafico carissimo - habe ich Ihnen geschrieben? habe ich Ihnen nicht geschrieben? habe ich Ihnen gedankt für die excellente kleine Photographie und für die Titeln der Bücher? Das weiß ich alles nicht mehr - et vous comprendrez combien ces symptômes de betification progressive, sont inquiétants. Mais vous ne vous figurez pas diese unmenschliche Hetze! Meine beiden Enkelinnen zu bemuttern, da die Eltern nach Italien abgedampft waren, meine Schwester zu pflegen, die «Elemente» endgültig zu fixiren (dieses Wort macht mich unglücklich aber ich finde kein anderes - wieder die Vertrottelung) und dann allerlei mehr oder weniger Aufregendes auszuhalten - meine große Zehe rebellisch - meine beiden Daumen renitent - eine Invasion von musikalischen Menschen im Haus, um Walter Kerschbaumer einen ordentlichen Start zu geben - dieser ewige Schnee der mich zur Raserei treibt, mein Josef der Herzzustände hat, - also ich sag Ihnen, Job sur son fumier et Daniel dans la fosse aux lions! Natürlich habe ich gar nichts gelesen, und gar nichts kommen lassen. Aber ich thue es jetzt und freue mich darauf. Denn jetzt ist doch etwas Ruhe. Ein halbes Dutzend Enkeln sind nach Viareggio zu den Eltern - Carola mit. Der armen Haut geht es zwar etwas besser, aber lang nicht gut. Ich hoffe sehr auf Meer und Sonne, und die Arme hat sich so unbeschreiblich gefreut wieder nach Italien - Was mich anbelangt bleibe ich vorderhand hier - ob ich noch reise weiß ich nicht recht. Ich möchte den Meinigen der sich mit dem «Bodenamt» rauft, nicht zu viel allein lassen - dann erwartet mein Chauffeur Vaterfreuden Anfangs Mai - da kann ich dieses Familienglück nicht stören. Und doch nach diesem eiskalten Winter, sehne ich mich sehr nach Wärme - nach Sonne - Wie gerne möchte ich Sie auch sehen, Serafico, und wieder mit Ihnen auf der geheimnissvollen Schwelle stehen - Sie wissen was ich meine und immer so stark spüre wenn ich mit Ihnen bin - Ich glaube daß Sie jetzt mit meiner Übersetzung der Elemente nicht ganz unzufrieden wären; habe viel daran gearbeitet. Einige Stellen die mich unglücklich machten ganz refondues wissen Sie, die Augen zugemacht, an gar keine Worte des Textes mehr gedacht - nur das Bild geschaut und dann französisch beschrieben. Einiges dadurch ganz anders ausgedrückt aber der Sinn genauer. Natürlich diese Art nur sehr selten und wenn nicht anders möglich. Sind Sie mit der Übersetzung des Malte Laurids zufrieden? Sie schien mir sehr gut. Hofmansthal will daß ich La Princesse de Clèves deutsch übersetze - Das glaube ich wäre über meine Kräfte. Ich habe heute einen Brief von Karl Burckhardt bekommen, der wieder zu Hause ist und mich frägt ob wir uns in Rom rendez-vous geben können! Ay de mi! Werden Sie ihn sehen? Ich war heute in der Galerie, habe wieder die gewisse Band mit dem Glas, erinnern Sie sich, gesehen - und die Breughels - des coulées de pierreries - aber in den Augen sind mir die Farben von einem kleinen Guardi geblieben - rose doré; blancheur de perle, azur d‘aigue marine, vert glauque profond; ocre carminée - les yeux absorbent tout cela comme un fruit délicieux qui fond sur votre langue - cela ne semble pas avoir le sens commun mais c‘est vraiment cela - Miséricorde, bientôt minuit! Je me sauve Serafico, je me sauve avec mille et mille affectueux souvenirs. MT
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