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“Lieber Serafico. Es war eine Freude…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1924 mar. 02

Descrizione:

Briefwechsel: n. 408

Trascrizione:

Lieber Serafico - es war eine Freude wieder einmal ordentlich von Ihnen zu hören - ich hätte Ihnen schon lange geschrieben, aber der gute Burckhardt hatte lauter Confusionen gemacht und ich dachte Sie in Rom - Neapel - Gott weiß wo! Nur ist mir sehr leid zu hören daß Sie mit Ihrer Gesundheit nicht zufrieden sind - ich weiß zwar nicht genau um was es sich handelt - muß Ihnen aber, wenn es speziell Verdauungsstörungen sind, von einem sehr einfachen Mittel sagen das Sie übrigens vielleicht schon probirt haben - Nämlich Eucarbonpastillen, und zwar vom Professor Dr Pauli - Ich habe durch Jahre selbst an diesem lästigen Übel gelitten, und alles mögliche ohne Resultat versucht. Dann sagte mir der gute alte Cambi, jeden Tag, nach jeder Mahlzeit eine Pastille mit einem Schluck Wasser einzunehmen - und das wirkte außerordentlich. Ich habe durch Monate (aber zuletzt nahm ich nur eine Pastille abends vor dem Schlafengehen) Eucarbon genossen und bei jeder kleinen Verstimmung nehm ich es wieder - und kann es - auf alle Fälle - nur recommandiren. - Übrigens ich glaube auch daß Luftwechsel für Sie gut wäre, speziell Meerluft - könnten wir uns nur irgendwo rendez-vous geben - mein pied à terre in Venedig fehlt mir unendlich! Aber meine Projecte sind ganz ungewiß. Einerseits die Mädeln die ich chaperonire (und die sich köstlich unterhalten, sehr hübsch sind, und enorm fêtirt werden) andererseits meine arme Schwester Carola, die fort des hauts et des bas hat, noch im Sanatorium Löw liegt, und die ich täglich besuche - wenn sich die arme Haut lange so plagen muß werde ich mich kaum rühren können. Und ich gestehe daß nach diesem eisigen, ewigen Winter, ich eine solche Sehnsucht nach Süden und Sonne habe - Serafico wenn ich, wie ich doch hoffe wieder in die Schweiz kommen kann - wissen Sie was - wir sollten eine kleine Autotour in Savoyen machen! Das könnte doch herrlich sein! Ich hoffe Sie schicken mir bald Ihre Bücherliste - auch mit dem Titel der zwei letzten Bücher von Proust - ich hätte eine Gelegenheit mir sie direct von Paris kommen zu lassen. Indessen habe ich «Maisons hantées» von Flammarion gelesen. Sehr merkwürdig, und sehr merkwürdig die Beziehungen zur Electricität über die er am Ende des Buches Andeutungen macht. In was für einer unheimlichen Welt leben wir Serafico canssimo - hätte ich nicht einmal «die Freude» erlebt - aber darüber - über diese merkwürdigste Phase meines Lebens sprechen wir einmal - es läßt sich schwer schreiben - und so wie so jetzt muß ich aufhören, denn Maridl, Lori, Alexander sind hereingestürmt und ich muß sie zu einem «Thé dansant» begleiten - pour mes péchés bien entendu! (3.3.24, Montag) 3/3 Also gestern wurde getanzt, heute wird getanzt nachmittags, und jetzt, früh, muß ich zu Carola gehen die man «röntgenisiren» will - ich glaube es ist ganz unnütz nebenbei! Hier schicke ich Ihnen ein Briefel von Pia - sie soll heuer besser aussehen. Dieser Brief ist wirklich zu décousu, aber ich habe jetzt keine Zeit für mich, auch keine für die «Elemente» von Kassner welche ich wieder unternommen habe und vieles daran corrigirt. Ich glaube es ist besser jetzt. Wie froh wäre ich es mit Ihnen wieder einmal durchzusehen - Wenn Sie kämen Serafico, fänden Sie mich bestimmt den ganzen März, wahrscheinlich bis Mitte April - Kokoška ist auch da; ich war letzthin abends mit ihm bei Olga Dietrichstein. [ ... ] Gestern ist Alex nach Lautschin zurück. Pascha ist in Triest, malt fleißig, ich will die Photographien seiner merkwürdigen Porträts dem Kokoška zeigen. - Schluß für heute lieber Serafico und alles Herzliche und Liebe MT
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