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“Dottor Serafico! Kassner und ich wir haben uns gekugelt…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1914 gen. 03

Descrizione:

Briefwechsel: n. 181

Trascrizione:

Dottor Serafico! Kassner und ich wir haben uns gekugelt über Ihren Brief, aber wieder andererseits sehr gefreut denn wir erwarten den Schmetterling! Beruhigen Sie sich übrigens, vorderhand rühre ich mich gar nicht. - Wie Sie sehen Kassner war einige Tage hier und ich habe es enorm genossen; er hat mir seine wunderbare Chimäre mit großer Leidenschaft vorgelesen. Er soll eine Vorlesung in Wien halten - (Hofmannsthal hat ihn dran kriegt denn er ist eigentlich unglücklich).-am 10ten und ich habe Lust hinzufahren. Gewiß ist jede eigene Erfahrung im Reiche der «Unbekannten» mehr werth für einen selbst als alle gelehrten Bücher darüber - und doch sind solche gut und nützlich, entweder um etwas aufzubauen oder um etwas zu zerstören -ich fürchte es muß noch viel zerstört werden bevor man anfangt zu bauen. - Ich bin ganz in der Musik drinnen - und benütze diese Zeit hier um mich zu üben - Sie glauben nicht wie komisch es ist daß ich wirklich vorwärts komme nach 30 Jahren wo ich eigentlich nie spielte - und jetzt bin ich rief in Beethoven vergraben - mit unendlichem Genuß - und habe Kassner (der aus dem Staunen und den Complimenten, stellen Sie sich das vor! nicht heraus kam) fort vorspielen müssen - Sie hätten die große göttliche «Pathétique» hören sollen! Natürlich ganz schlecht, aber ich glaube mit dem richtigen Fühlen -Dottor Serafico was Sie sich wünschen zu Neujahr ist eben das Seltsamste, das Seltenste - die eine Seele die sich ganz hingibt und nichts für sich verlangt - Schließlich haben Sie ein Recht, der Sie so unendlich viel geben, unendlich viel zu verlangen. Ich wünsche es Ihnen also von Herzen für 1914 und alle folgenden Jahre! MT
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