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“Sie Wunderknäuel!…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

42

Data completa:

1912 lug. 20

Descrizione:

Briefwechsel: n. 105

Trascrizione:

Sie Wunderknäuel! was wird man noch alles entdecken wenn man abwickelt! - Indessen merke ich daß «die Engel» wieder ganz nahe sind - es rauschen Ihre Flügel .... Wirklich ich bin stolz darauf Sie Dottor Serafico genannt zu haben - und daß ich wußte daß es damals noch nicht ganz richtig war - Wenn ich daran denke wie wir uns kennen gelernt haben und wie schnell alles gegangen ist, so muß ich mir sagen daß ein sonderbares Fatum uns zusammen brachte - Nur der kurze merkwürdige Besuch in Paris mit der «kleinen ungestümen Gottheit» und dann kamen Sie her und es war gleich alles ganz klar, natürlich und von jeher dagewesen - Aber rathen kann ich Ihnen nicht (Placci schon gar nicht!) Ihr Dämon ist zu stark, er führt Sie und Ihre Wege sind einsame Wege - Ich kann nur zuschauen, und Ihnen sagen: wenn Sie mich brauchen rufen Sie mich! Daß Sie die Duse kennen lernten freut mich sehr - ich kann mir Sie so gut vorstellen - ganz verzückt natürlich - Die Frau ist geschaffen um einen Dichter zu begeistern - Mit jedem Wort von ihr klingen so viele Saiten mit - nahe und weite in Zeit und Raum­D‘A(nnunzio) hatte es tief empfunden aber die Saite riß. Sie sagen daß sie stark geworden ist, die so schlanke und schmächtige - das wäre schade! Aber wie beneide ich Sie, oder vielmehr wie gerne möchte ich Ihnen beiden zuhören! Seien Sie nett Dottor Serafico und schreiben Sie mir recht oft darüber. Kassner hätte sich auch gewünscht Eleonora dalle belle mani kennen zu lernen - er schreibt mir aus Silsmaria wo er bis mitte August bleiben möchte und sehr erfreut ist «schweigen» zu können. Tausend Dank für die Bücher - Alex(andre) Asiatique hat vieles das mich fesselt; ein wenig genirt einen doch die sehr durchscheinende wenn auch vielleicht unbewußte, Nachahmung der Noailles. Finden Sie nicht? Rufford Abbey ist das Beste meiner Ansicht nach im Buche von Annette Kolb. Russell ist hier - der Freund von Kassner - köstlich wenn er von Antiquitäten spricht, sonst entre nous soit dit etwas mühsam weil gar so Insulaner - auch möchte man immer den so bitteren Zug um den Mund weg massieren - Es sind gewisse Gesichter deren Unordnung mich fort impatientirt on voudrait les arranger d‘un coup de pouce. Haben Sie mein Telegramm für Placci erhalten? Ich habe ihm auch nach Florenz telegraphirt aber der Sicherheit halber auch durch Sie probirt - erwarte mit Ungeduld eine Nachricht - Franzi L(iechtenstein) kommt am 23ten abends, und hat nur wenig Tage - Ich hoffe P(lacci) kommt bald dazu, sonst manquirt er ihn. Und Sie, D. S. was machen Sie? und in Sept(ember)? Ich fürchte daß unsere spanische Reise schwer zusammen geht - Wissen Sie daß Pascha sich entschlossen hat wieder Duino als sein Hauptquartier zu nehmen? Ich bin sehr froh darüber - aber Sie wissen daß das an Ihr eventuelles dorten sein nichts ändert - im Gegentheil - Es ist spät ich bin schläfrig und vertrottelt - Auf Wiedersehen Wunderknäuel jetzt denken Sie nicht mehr an den Malte Laurid(s), ich fang schon an mich über den zu ärgern! Alles alles Herzliche von uns allen MT
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