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“Serafico carissimo. Ich war so froh…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

187

Data completa:

1923 set. 03

Descrizione:

Briefwechsel: n. 401

Trascrizione:

Serafico carissimo - ich war so froh wieder einmal von Ihnen zu hören! Und auch sehr befriedigt daß Sie etwas für Ihre Gesundheit thun - hoffentlich nützt es Ihnen wirklich und «kommt Ihre Natur ans Ziel»! Kassner hat mir viel von den schönen Tagen bei Ihnen erzählt; er scheint sie ganz besonders genossen zu haben; Gott sei Dank und unberufen geht es ihm auch wirklich besser. Er ist wieder köstlich - aber eine schauerliche Unart hat er sich angewöhnt!!!: er spielt bridge! Abends gleich nach dem Essen stürzt er zum Spieltisch, nimmt Pascha, den Professor, jetzt auch den jungen Hofmeister von Hansl mit - und rührt sich nicht mehr. Ich bin verzweifelt aber Sie können sich denken daß es nichts nützt! Ich sitze sprachlos zwischen meiner Schwägerin mit den ganz weißen Haaren rechts, und meiner Schwägerin mit den zu schwarzen Haaren links (entre les deux larrons) seufze und sinne auf Rache. Die zwei Buben schauen den Spielenden zu, und Alex spricht über Rennen mit einem Pferdemaler den er hat kommen lassen (und den ich schrecklich finde!) Also Sie sehen wie das zugeht! Wenn Sie hier wären Serafico - aber Sie danken Ihrem HerrGott nicht dabei zu sein - würden wir zwei in die Bibliothek flüchten. Diese Constellation wird aber bald zerstört werden. Alex geht auf seine Hirsche in den Karpaten - Caroline und Zina fahren ab, und der Professor wird uns leider auch bald verlassen und, ohne auf seine Conzerte zu verzichten bien entendu, sich in Wien etabliren und Stunden geben, was doch mehr Aussicht hat wenigstens vorderhand. Der gute Reinhart hat ihn telegrafisch für den 5 October nach Winterthur berufen wo er ein Beethoven Conzert mit Orchester spielen soll. Ich freue mich riesig darüber und rathe Ihnen, wenn Sie in der Nähe sind, sich ihn anzuhören - er spielt gerade dieses Conzert himmlisch. Wenn ich dazu komme, will ich nach Darmstadt zur Tagung - vom 16 September bis 22ten - Pascha kommt wahrscheinlich mit mir - und ich werde eventuell Kassner (per Auto) bis München mitnehmen. Jetzt wissen Sie le recentissime - ich muß hinunter wo Pascha den Professor malt - zu merkwürdig was er für ein Talent hat - Kassner war auch sehr frappirt. Wetter grau und kalt. Stimmung detto! Alles Liebe und Herzliche - ich gebe noch nicht auf, Sie einmal wieder hier zu sehen. Sie würden ein kleines Appartement für sich haben und viel Ruhe! MT
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