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“Serafico carissimo. Ich habe vor ein paar Tagen…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

172

Data completa:

1922 lug. 09

Descrizione:

Briefwechsel: n. 375

Trascrizione:

Serafico carissimo - ich habe vor ein paar Tagen in einem recht minderen aber doch sonderbaren spiritistischen Roman etwas gelesen was Sie, falls Sie es nicht schon wissen, interessiren wird. Nämlich daß die Svastica - das Hackenkreuz nennt man es glaube ich - welches über die Thür Ihrer Capelle sich befindet, das Zeichen der Tempelritter war. Dummerweise kann ich nicht den Passus wiederfinden sonst hätte ich es Ihnen copirt. Es würde dann ganz plausibel sein - und würde Ihrem kleinen Muzot einen geheimnissvollen Zauber mehr geben, der Gedanke daß einer von diesen merkwürdigen «Templiers» dorten lebte - Ob sich das nicht eruiren ließe? Mich haben von jeher diese Tempelritter interessirt und intriguirt auch, eigens, angezogen. Serafico, könnten Sie nicht ein Engel sein, und vielleicht André Gide fragen, welches Werk über die Tempelritter das Beste ist? Ich möchte mir es gerne kommen lassen. Wir sind noch momentan in ziemlich einsamer Herrlichkeit, aber sehr bald hört es auf idyllisch ruhig zu sein. Gabriele erscheint mit den vier Großen die Titis, Kassner (der als Lichtpunct!) Pascha hat eine prima donna assoluta bei sich außerdem russische Flüchtlinge etc. Das Wetter pendelt - vom Aequator zum Nordpol; scheint gerade so verrückt wie die Menschen - Ich wollte Ihnen einen langen Brief schreiben, aber das werde ich lassen bis Kassner da ist - denke viel an Sie Serafico, erwarte mit Sehnsucht das Versprochene, und schicke Ihnen die herzlichsten Grüße MT Leider keine guten Nachrichten von Fritz. Er ist in Roncegno - ich glaube kaum daß er herkommt.
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