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“Serafico carissimo. Heute erst komme ich dazu…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

147

Data completa:

1921 apr. 03

Descrizione:

Briefwechsel: n. 331

Trascrizione:

Serafico carissimo - Heute erst komme ich dazu Ihnen ordentlich zu schreiben - vor allem der merkwürdige «Nachlaß» - vorgestern abends habe ich daraus Alex, Pascha und dem Professor wieder vorgelesen. Eigentlich komme ich aus dem Staunen nicht heraus - es ist so vieles so ganz anders als Sie - so wirklich wie dictirt - freilich wieder Dinge die nur Sie, die Sie allein schreiben kohnnten «... und trug Aegyptens Nacht» - da geht es einem kalt übern Rücken - Sehr seltsam sehr tief der gespenstische Windstoß - und entzückend die schöne Aglaja - Das war wieder ein großer Genuß den ich Ihnen danke, Serafico - und wie freue ich mich es mit Ihnen zu besprechen - auch das «Ave Maria plena gratia» - ich finde es sehr schön und eigens - wie merkwürdig muß der ganze «Kanzonnär» sein - Er muß doch von Ihnen stark beeinflußt sein, nicht? Gewiß wäre einiges zu sagen über gewisse orthographische Freiheiten die er sich nimmt im Französischen - sehr schön das «vois douce et cruelle» - dafür genirt mich etwas «amas d‘amour» - und auch «chryselefantine» wenn es auch, wenn ich nicht irre, gold und elfenbein meint? - das elefantine zerstört (für mich die immer in Bildern höre) den leichten schwebenden Engel - Aber es ist doch viel daran - und auch darauf freue ich mich denn ich hoffe bestimmt Sie zu besuchen Serafico, und zwar um den 25ten dieses herum - ich kann noch nicht genau den Tag bestimmen weil ich wahrscheinlich mit Alex, der nach Rolle die Kinder besuchen will, fahren werde. Ich möchte wenn ich Sie nicht genire 2-3 Tage bleiben, mit meiner Jungfer - Ach Serafico, jetzt habe ich mit dem Meinigen gesprochen und das Resultat daß ich Sie frage ob Sie bis ende Mai in Berg wären - Ich werde, da ich mich doch bald entscheiden muß, Ihnen telegrafiren um zu fragen - Ich glaube nämlich es wäre gescheidter ich mache meine Tournée anders - ich fahre per Auto von Wien zuerst nach Italien und dann zurück über die Schweiz - es würde dann mein Besuch um einen Monat später sein - Was denken Sie davon? Denn ich fürchte daß es mit Alex immer später wird - außerdem würde die Witterung vielleicht besser so sein -In April eventuell noch recht frisch in der Schweiz? Also werde ich jetzt auf Ihre Antwort warten und noch einiges erfragen - Dann telegrafire ich Ihnen - aber ich glaube wohl daß ende Mai das Richtigere sein wird. Da würde ich Ihnen auch meine «souvenirs» bringen oder schicken - Jetzt habe ich das «Ave Maria» Pascha vorgelesen - er ist entzückt, schwört aber daß Sie es geschrieben haben?? Sie wissen daß Pascha in Berlin ist, d. h. daß er sich dorten etabliren will. Er ist uns als schönstes Osterei am 27ten erschienen - fährt aber leider bald weg, zurück nach B(erlin) wo unsere dumme Titi ihre Geige ganz aufgegeben hat, und nach Ansichtskarten Ölbilder malt!!! Da könnte man sie wirklich durchwixen! Ja das Testament von Ch(arles) de Ligne ist eine sehr schöne Sache, um Jahrhunderte von uns entfernt - zeigt nur comme nous nous sommes détériorés - und das kleine Heft ist entzückend, Serafico, dieses rosenfarb - wie von etwas welken Rosenblättern - auf denen die «fairies» mit ganz dünnen Spinneweben gesponnen hätten. J‘ai faim et soif de causer avec vous - ich hoffe also bestimmt Sie noch in Mai zu treffen - ob ich Sie dann nicht her entführen könnte? Sie fänden Pascha, wahrscheinlich Kassner und vielleicht eine sehr entzückende Frau, Sophia Schönborn, geb. Frasso Dentice - Aber über das alles reden wir - indessen von mir Alex, Pascha alles Erdenkliche - MT Bitte schicken Sie mir für Pascha die Adresse von Ungern-Sternberg. Und sagen Sie mir wie man von Zürich, nicht wahr, nach Schloß Berg fährt.
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