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“Serafico carissimo. Für zwei Briefe und für zwei Bücher habe ich Ihnen zu danken…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

140

Data completa:

1920 ago. 12

Descrizione:

Briefwechsel: n. 319

Trascrizione:

Serafico carissimo - Für zwei Briefe und für zwei Bücher habe ich Ihnen zu danken - aber außerdem muß ich schimpfen - Hier sitzen wir -wirklich eine sehr nette Gesellschaft -Pascha Kassner mein Musicus -alles schreit nach Ihnen - außerdem eine sehr nette ménage - holländische Maler sehr sympathisch beide - die Dietrichsteins waren da, die Mädeln Czernin eine reizender wie die andere - allen habe ich «il poeta» versprochen gehabt, allen waren empört und enttäuscht - sogar «die Unbekannte» meldet sich - und macht ein astrales Schnoferl - Ich probire noch nach Pratteln zu schreiben - hoffe Sie sind nicht mehr dorten und rücken doch allmälig näher. Das Häuschen wird gehalten aber das Wetter läßt sie nicht halten - und ich möchte Sie so gerne noch bei Sonnenschein haben! Das Dostoïewsky Buch habe ich noch nicht gelesen, bin sehr neugierig darauf obwohl Kassner (sehr in Form) über Mlle Dost(ojewskaja) schimpft. Pro Don Carlos ist recht unterhaltend - für mich, die ich den armen D(on) C(arlos) so gut kannte, doppelt interessant, und vieles mag sehr richtig sein. Kassner hat uns sein Dialog (der? das?) gelesen, wundervoll - Sie hätten Ihre Freude dran. Pascha malt den ganzen Tag, macht verblüffende Fortschritte. - Aber sonst hätte ich einige recht traurige Episoden zu verzeichnen. Lieber mündlich - Sie werden mich trösten müssen. Alex dem es Gott sei Dank und unberufen gut geht ist in Wien; kommt in ein paar Tagen zurück. Ja Serafico caro, Venedig war schön - und ich kann Ihnen gar nicht sagen wie ich unser Wiedersehen genossen habe! Mit Ihnen Santa Maria Gloriosa zu sehen und il Giardino Eden - und die Stoffe - ces tissus de pierreries - das war eine große große Freude; und der wunderbare Haydn auf meinem Spinet - die Abende am Marcusplatz - Sie mögen recht haben und die Zeit des «Anschauens» vorüber sein - doch wer wird dann die Kunst genießen - für wen wird von allen produzirt werden? Das müßte dann aufhören - Ich fürchte übrigens es hört so wie so auf - Was jetzt produzirt wird ist doch (ich spreche von Malerei und Bildhauerei) enorm im Rückgang begriffen. Die Kunst gehört der Seele - und jetzt will sie der Geist übernehmen. (Ceci dit en toute humilité !) Lieber Serafico ich schließe - der Professor übt daneben und ich kann kein Wort mehr schreiben -Danke für die Nachrichten über die lieben Kleinen die wir nächste Woche erwarten - und alles alles Liebe. MT
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