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“Sehen Sie wo ich bin Dottor Serafico…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1914 feb. 22

Descrizione:

Briefwechsel: n. 185

Trascrizione:

Sehen Sie wo ich bin Dottor Serafico - und hören Sie wie es regnet? Schwere Tropfen schlagen an den Fensterscheiben, ungezählte, unaufhörlich - es ist ein Rhythmus darin den ich immer zu fangen glaube­wie die Erinnerung an einen verschwundenen Traum. - Die großen Palmen im Garten rauschen mit einem härteren Klang als die anderen Bäume und das alles hebt sich ab von einem dumpfen Brausen - «uraltes Wehn vom Meer ...» Warum ich hier bin, wieso und wesshalb, das ist alles zu lang zu erzählen - ich bin hier, Fritz und seine Frau sind hier und heute nachmittags kommt, glaube ich, Pascha. Ich muß Ihnen vielmals danken für Ihren Brief, und für die Gedichte - für Ihr herrliches Gedicht, und für das herrliche Gedicht von Werfel, das mir einen so tiefen Eindruck gemacht hat. Alex ist in Lautschin, hoffentlich kommt er später her. Kassner habe ich in Wien gesehen; er war wieder köstlich. Wir haben zusammen einen Astronomen entdeckt, der ein Geisterseher ist und mit dem wir von Aldebaran / meinem geheimnissvollen Lieblingsstern / und von leuchtenden Schatten, sprechen; auch zusammen die Große Messe von Bach hörten - Ach das hätten Sie auch hören sollen. Dottor Serafico, und das ganze Elend der Welten klagen im Kyrie Eleison , und dann - beim Sanctus - den Gott kommen sehen - Schreiben Sie mir bald wieder, die Ile St Louis, die zwei merkwürdigen Plätze in Venedig (erinnern Sie sich) dann noch für mich ein Wald bei Pisa und der Platz von Orvieto - welche Geheimnisse werden uns da ganz leise ins Ohr gesagt Dottor Serafico? Wer soll es wissen wenn nicht Sie? - Alles Herzliche MT
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