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“Meine theuere Fürstin, was müssen Sie denken…”

Sottoserie:

Lettere di Rainer Maria Rilke a Marie Thurn und Taxis

Data completa:

1925 mag. 04

Descrizione:

Briefwechsel: n. 428

Trascrizione:

Meine theuere Fürstin, was müssen Sie denken, daß ich einen Brief und seine unmittelbare Frage solang ohne Antwort lassen konnte! Ich wollte Ihnen immer schreiben lassen, selber konnte ichs nicht, aber dann wars mir zuwider unter einer fremden Schrift zu Ihnen zu kommen. Diesmal nämlich hat mich die Grippe (der ich die letzten Jahre immer, durch mein ländliches Leben und Wohnen vermuthlich, entgangen war), gepackt gehabt -, und nicht sie selbst war das Schlimmste, sondern diese zögernden und zaghaften Wochen hernach, da ich mich selbst nicht in Gebrauch nehmen konnte und, obwohl nicht mehr nachweisbar krank, doch am Rande von allem blieb. «Denken» schien mir eine Sache für Halbgötter, Lesen oder Schreiben hatten alle Handlichkeit eingebüßt und machten mir, Zeile für Zeile, eine überanstrengende stupide Mühe. Ganz ist dieser Zustand noch nicht überwunden, das so schlechte Frühjahr trägt gewiß dazu bei, ihn so ärgerlich zu verlängern. Ich sehne mich nach Muzot und kann doch, leider, aus mancherlei Gründen noch nicht fort. Kassners Buch (bitte, sagen Sie‘s ihm) ist mir eine tägliche Freude und die intimste Aufrichtung: durch seinen Inhalt und, sooft ich zu lesen nicht fähig bin, durch die große Thatsache, daß es mich nennt und mir so besonders und bleibend zugekehrt ist! Die Antwort zum Schluß: die Geschäfte in Wien sind immer noch zu erledigen, aber fürs Nächste ist keine Aussicht für mein Hinkommen. Wir werden uns wohl vorher in Ragaz sehen, darauf freu ich mich unbeschreiblich; und diesmal will ich auch richtig baden dort und etwas für mich thun. Muß nicht, liebe Fürstin, in diese Wochen, in diese Tage das Fest Ihrer Goldenen Hochzeit fallen?; dann ist der Fürst gewiß zurück. Ich wollte, ich wäre rechtzeitig mit allen allen meinen Wünschen, mit meiner ganzen wahrhaften Theilnehmung. Ihr D.S.
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