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“Ich fürchte Serafico carissimo, dass ich Sie mit meinen Briefen überschwämme…”

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke
Segnatura: 189
Data completa: 1923 set. 23
Descrizione: Briefwechsel: n. 404
Trascrizione: Ich fürchte Serafico carissimo, daß ich Sie mit meinen Briefen überschwämme - aber ich muß Ihnen danken für die zwei reizenden französischen Gedichte - Ich weiß nicht welches ich lieber habe - beide sind entzückend - Danke auch für die Übersetzung von Malte Laurids - sie scheint mir sehr gut und ich freue mich auf die Fortsetzung - Da ich nicht recht weiß wo Sie sich befinden schreibe ich nach Muzot - aber wie schade daß Sie Ihre Wirthschafterin verlieren - ich kann mir denken welche Seccatur! Und mit Ihrer Gesundheit sind Sie auch nicht sehr zufrieden? - das thut mir sehr leid - wenn Ihnen nur der Winter in Muzot für Ihre Nerven nicht zu einsam ist! Übrigens ich bin jetzt auch hier in einsamer Herrlichkeit - bin vor 2 Tagen von Darmstadt zurück mit Pascha und erwarte übermorgen einen Bischoff und unzählige Bonzen. Es wird gepredigt, es wird gefirmt, es wird gesungen - toutes les joies! Indessen hat Pascha mein Porträt angefangen, ganz in Weiß, fond ein silberner alter Stoff-fabelhaft schwer - aber Sie glauben nicht was für ein Talent! Kassner, der Unerbittliche, war auch ganz verblüfft als er seine 2 ersten Porträte sah (meine Schwägerin und Kerschbaumer.) - À propos von Kerschbaumer - ich bin recht betrübt daß Werner Reinhart nicht zu seinem Conzert in W(interthur) sein wird - ist der Bruder auch so nett und musikalisch? Werner Reinhart hatte Kerschbaumer geschrieben bei ihm zu wohnen. Glauben Sie daß es dabei bleibt? Es wäre natürlich für K. eine wichtige Sache - außerdem hatte Reinhart gemeint daß K. gewiß zu Conzerten nach Basel berufen würde - (ich glaube sein Schwager ist irgend etwas musikalisches in Basel, wie er selbst in Winterthur) - Glauben Sie daß der Bruder Reinhart sich auch darum kümmern wird? Lieber Serafico, seien Sie ein Engel - wenn Sie irgendwie können gehen Sie nach Winterthur zum Conzert (5 Oct.) es wäre eine große Sache für diesen nervosen, etwas scheuen Künstler wenn er einen Bekannten dorten fände, und daß Sie es wären eine ganz besondere Hilfe und Freude. Seien Sie auch so gut, schreiben Sie Ihrem Freund Burckhardt, er soll auch hingehen, sagen Sie es ihm von mir aus, mit vielen Grüßen - ich weiß nicht seine Adresse. Verzeihen Sie alle diese Seccaturen Serafico carissimo, aber es ist eine Lebensfrage für K(erschbaumer) jetzt weitet zu kommen - und er spielt wundervoll - besonders dieses Beethoven Conzert, unvergleichlich! Bis ich Sie sehe, erzähle ich Ihnen von Darmstadt ­ schicke Ihnen vielleicht ein paar Zeilen die ich darüber geschrieben, eigentlich Sophie Öttingen zu Ehren, die immer will daß ich meine «Erlebnisse» notire. Am besten hat mir ein Mohamedaner gefallen der wie ein Sturmwind, ein feuriger, direct aus der Wüste über alle die Philosophen, Theosophen, Occultisten und Cabbalisten daher brauste. Allah il Allah! Ich schließe mit diesem Kampfruf und tausend innigen Grüßen! MT
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