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“Dottor Serafico sind Sie noch immer faul…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

39

Data completa:

1912 lug. 06

Descrizione:

Briefwechsel: n. 100

Trascrizione:

Dottor Serafico - sind Sie noch immer faul und müde, scirocco-krank, und haben Sie sich entschlossen mit Marthe in die Berge zu gehen? Warum hat sie einen schlechten Sommer? Ich hätte Sie gerne hier, und doch wieder nicht, wir sind so unheimlich chimärenhaft diesen Sommer - Denken Sie sich, meine Schw(ieger) Mutter mehr als je der Skelett eines Vogels der ein Affengesicht statt seines ehrlichen Schnabels, gehabt hätte, Fräulein Chautems une sorte de dame de compagnie mit gefärbten rothen Haaren, ungefärbter rother Nase und cambrirt wie ein heraldischer Löw - Cousine Eleonore mit gefärbten gelben Haaren - Monsieur Gendre der wie ein Raubmörder aussieht, Dr. Rziha der die Augen überhaupt nicht mehr offen halten kann, Maestro Barbasetti der schon zum ersten Frühstück Tripolis Tunis und Constantinopel verschluckt hat - Morgen kommt Titi Gott sei Dank, und nach dem zwanzigsten etliche angenehme Menschen. Habe ich Ihnen gesagt daß Kassner leider nicht kommt und daß er sehr unwohl war - (furuncolosis) - und eine strenge Kur wird durchmachen müssen? Wie finden Sie Gegina? Haben Sie Fritz gesehen? er wird Ihnen von hier erzählt haben und von den lieben Kleinen von Pascha die heuer herziger sind denn je und mir manchmal das Herz recht schwer machen. Und was wird in Sept(ember) sein - werden wir dazu kommen unsere spanische Reise zu unternehmen - Quien sabe? Ich habe Gabriel Schillings Flucht gelesen - es hat mich sehr ergriffen - dann Ariadne auf Naxos - es hat mich weniger ergriffen - Jetzt die «Contemplazione della Morte» von d‘Annunzio - kennen Sie‘s? Die Sprache ist immer so wunderbar - aber daß aus dieser Contemplazione der S. Sébastien entstanden ist und ein Libretto für Mascagni ist doch kränkend. Schreiben Sie bald, trotz scirocco, und sagen Sie mir ob Sie Pläne haben - Alles Erdenkliche von uns allen. MT
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