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“Dottor Serafico, ich war so unendlich stolz…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1913 ago. 17 ?

Descrizione:

Briefwechsel: n. 163

Trascrizione:

Dotter Serafico, ich war so unendlich stolz auf Ihren Brief - wirklich comme un paon qui fait la plus belle roue du monde - und ich bin so froh daß Ihnen gerade die zwei - Giuditta und Orfeo - am Besten gefallen. Erinnern Sie sich unsere Fahrt von Saonara nach Brescia - damals ist mir die Giuditta wie hergesagt worden - es war mir (lachen Sie mich nicht aus) wie wenn der strahlende Himmel - die wunderbare Landschaft - der träumende blaue See mir die Worte zugeflüstert hätten - die mir damals so natürlich kamen - ja wirklich wie Sie sagen die Sprache hatte keine Wahl - und ich dachte mir nur Gott sei Dank daß ich es schnell schreibe - ein jeder müßte es so hören wie ich. Und dann im stillen San Zeno dans les stalles unter dem großen Mantegna, Ihnen - dem Dichter - es vorzusagen. War das nicht eigentlich eine merkwürdige traumhafte Sache? Wenn ich nicht den Orfeo hier übersetzt hätte so müßte ich glauben daß Ihre Nähe alles gemacht hatte. Den Orfeo habe ich auch mit einer eigenthümlichen Begeisterung geschrieben - und liebe Ihr Gedicht mehr als ich es sagen kann. - Ich habe niemals von diesem Dichter Franz Werfel gehört - ich werde an Heller schreiben und mir seine Schriften kommen lassen - auch die Briefe von Tolstoi - was meinen Sie mit dem «besser als Bl ... ?» Was ist Bl? Ich zerbreche mir den Kopf. O und ich friere! ich friere fort wie ein armer geschorener Pudel - und ich habe solche Zahnschmerzen dazu - gewiß von dieser infamen feuchten Witterung - es gießt Tag und Nacht. Ich habe fast Lust auch nach Berlin zu Ihrem Zahnarzt - wenn er wirklich nicht weh thut - nur wie heißt er? Wann werden Sie dorten sein Dr Seraficus? Ich könnte nur die ersten Tage September dorten eintreffen-glaube aber daß ich doch nach Wien fahren werde obwohl mir die dortigen Zahnärzte gar nicht geheuer sind. Wie schön das Gedicht - wie schön - ich lese es immer wieder- Ich glaube es ginge zum Übersetzen - 19- 8 (1913, Dienstag ) Erst heute kann ich diesen Brief schließen, mit tausend Dank noch für Ihre Zeilen, und den allerherzlichsten Grüßen von uns allen. MT
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