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“Dottor Serafico! Das Gras welches vom Hage getroffen wurde…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

65

Data completa:

1913 giu. 17 ?

Descrizione:

Briefwechsel: n. 156

Trascrizione:

Dottor Serafico! Das Gras welches vom Hagel getroffen wurde - und sich wieder aufrichtet - das sind Sie - das bin auch ich - Ich hätte Ihnen auch vieles zu erzählen, weiß Gott - denn ich habe viel durchgemacht diesen Winter und Frühjahr - und Sie möchten sich kaum denken wer mit der Meute gegangen ist die uns hetzte - Sie würdens kaum glauben: meine Schwester!! Ich versichere Sie ich fange an zu glauben daß sie nicht ganz normal ist und daß alle ihre so unendlich blöd aufgefaßten «Zaubereien» sie um den Verstand bringen. Sie hat jetzt auf einmal auch den armen alten Fritz der den ganzen Winter krank war attakirt - und zwar mit einer Rücksichtslosigkeit welche einem den Athem nimmt. Wir können uns wehren, der arme Alte ist aber immer zu gut gewesen. Er war hier ein paar Tage, ist heute nach Venedig zurück. Alex ist auch hier und ich denke daß wir in einigen Tagen nach Lautschin fahren, während Pascha zur Kieler Woche geht. - Dottor Serafico was haben Sie alles angestellt, «im wunderschönen Monat Mai?» Daß wir Sie nicht heuer in Lautschin haben werden, ist sehr betrübend, aber Sie wissen ich begreife es vollkommen. Et quand l’Enfant prodigue reviendra nous tuerons le veau gras taut de même. Kassner kommt und die lieben Kleinen vom Pascha wie gewöhnlich für Juli-August; dann die sonstigen habituis - ich hoffe Placci der für mich nicht nur eine geistige ressource, aber ein wirklicher Freund ist. Meine Schwiegermutter ist schon dorten - Ja aber jetzt noch einiges; ich habe mit Damerini meine Übersetzungen besprochen - seine Correcturen meistentheils ihm ausgeredet - denn er hätte mir den ganzen so mühsam angedeuteten Zauber zerstört. Ein paar Sachen habe ich ihm zugegeben. Wir sind dabei geblieben (wenn‘s Ihnen recht ist) folgendes von meinen Übersetzungen zu nehmen: «La notte cresce come nera città» La fanciulla Giuditta (Il ritorno di Giuditta) Studio per un S. Giorgio La Cortigiana Fontana a Roma Orfeo Euridice Hermès Quest’e ‘l desio - viver nella densa vita - Also acht Gedichte. Ich glaube Sie kennen alle Übersetzungen mit Ausnahme von Orfeo - und das hätte ich Ihnen so gerne vorgelesen - Auch bin ich eher stolz weil Damerini ganz ergriffen davon war, und nicht ein Wort daran zu ändern fand. Ich werde Ihnen, bis ich ruhig in Lautschin bin die ganzen acht noch einmal schicken damit Sie mir sagen ob Sie definitiv damit einverstanden sind. Sie wissen daß Damerini einen großen Artikel damit verbinden will - er möchte womöglich auch ein Bild von Ihnen haben und alle möglichen Daten - was Sie alles geschrieben haben etc. etc. Ich habe in Venedig Giustina und Pia Valm(arana) gesehen. Letztere sehr en beauté, hat viel nach Ihnen gefragt - Ich hoffe sehr sie im Herbst etwas mehr zu sehen und hoffe und glaube auch daß die entsetzliche Kur die sie durchgemacht hat, sie wirklich gerettet hat. Der hübsche Andrea war auch da. Sonst habe ich aber außer Amélie Wallis niemanden von Venezianern gesehen. Auch nicht den «Sirenerich» - Dottor Serafico, ich habe noch immer nicht Ihre Elegien Ihrer Frau geschickt! Ist das nicht entsetzlich? Wo ist sie jetzt, und was hören Sie von Ruth? Ich schreibe Ihnen noch nach dem Schwarzwald - ach wie habe ich immer als Kind vom Schwarzwald - geträumt - Schon der Name hatte so einen geheimnißvollen Zauber .... Non è ‘l mondan rumore altro che un fiato Di vento, che or va quindi e or va quinci, E muta nome perchè muta lato. Ich weiß nicht warum ich Ihnen das schreibe - ich höre diese Zeilen fort, ganz ohne Grund und habe gefühlt ich muß sie niederschreiben. Alles Liebe von uns allen MT Wie mir leid thut um den armen Nàdherný und das arme arme Mädel - Wollen Sie es ihr schreiben da ich sie nicht kenne - und sie nicht mit einem Brief sekiren will?
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