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“Also Sie sind in Sevilla…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1912 dic. 09

Descrizione:

Briefwechsel: n. 137

Trascrizione:

lso Sie sind in Sevilla - wie ich mir es dachte Dottor Serafico - und daß S(evilla) Ihnen eine Enttäuschung war wundert mich nicht - es ist mir gerade so ergangen - der größte Eindruck dorten war mir die in blau und violettem Sammt gekleidete Madonna mit den accroche cæurs auf den Schläfen und dem Spitzentüchel in der Hand und den vielen Lichtern, silbernen Vasen und duftenden Lilien - welche man zum Besuch ihres Bambinos trug - aber freilich ich war nur 2-3 Tage in Sevilla - und nach dem was ich später gehört habe, glaube ich daß der geheime Zauber in den patios sein muß, in den Gärten die man nicht sieht oder wenigstens schwerlich. Bin neugierig ob Sie darauf kommen - Vielen Dank für Ihren sehr willkommenen Brief und für die guten Wünsche - ach Dottor Serafico - ich wünsche mir nur eins - Friede Friede - Es ist entsetzlich in dieser Ungewissheit und Angst zu leben - Ich mache nichts anderes als Zeitungen lesen – c‘est vous dire daß ich verflixt wenig arbeite - Den Orpheus möchte ich Ihnen noch nicht schicken - es ist noch zu feilen - dafür glaube ich daß ich Ihnen ein oder zwei andere Sachen schicke - wenn ich bis morgen fertig bin damit. D. h. sie sind schon so ziemlich fertig aber ich muß noch daran arbeiten - nämlich Die römische Fontäne - und Liebeslied - dann bin ich im Kampf mit Abisag - schrecklich schwer - ich habe es schon ein paar mal aufgeben wollen; besonders das erste - Wenn diese acht Gedichte und der Orpheus in Ordnung wären glaube ich daß es genügend wäre für eine Revue? Was meinen Sie? - Die I Elegie möchte ich Ihnen zeigen - wäre so anxious Ihre Meinung zu hören - aber die bis ich Sie sehe. Die zweite ist noch immer nur angefangen - ich hab eine Scheu davor weiter zu gehen. Heute lebe ich in einem Zaubergarten alles ist aus Silber - still und glänzend ..... Alex ist zu seiner Mutter - so ist auch das Haus ganz still. Ich schließe für heute - morgen mehr! 11-12 Erst heute komme ich wieder - gestern war Gabrielle und alle Kinder da - wir fuhren im Wald -ein Märchen aus Cristall - Heute erwarte ich diesen komischen Maler Meditz von dem ich Ihnen erzählte - er kommt mit seiner Tochter wahrscheinlich nur ganz kurz - aber ich freue mich ihn zu sehen. Seine Tochter ist eine große Bewundererin von Ihnen Dottor Serafico -vielleicht zeige ich ihnen die Elegien - Ich habe einen Brief von Ihrer Frau erhalten - es scheint daß alles in Ordnung ist mit Rodin; Ihre Frau sagt mir einiges über mich / sehr aimable / wie sie mich findet - Ach Gott ist denn diese Maske so in meinem Gesicht angewachsen daß niemand niemand mehr mich so sieht wie ich bin. Ich glaube mein wirkliches Gesicht liegt begraben tief unterm Schnee - Wie schade daß Sie mir nicht Ihren Brief von Cordoba schickten - aber auch mit dem Sevillaner bin ich sehr zufrieden - war gerade so unglücklich und wüthend wie Sie über die Moschee - die Heiligste vom westlichen Islam - der Rekel vor den Menschen welche dieses Wunder vernichten wollten kann nur dadurch gemildert werden daß es doch wieder Menschen waren die es geschaffen hatten - Wo werden Sie jetzt wandern - finden Sie nicht das Wort «Wandern» ist so zaubervoll - so voller Geheimniß und Sehnsucht und Wunder und Wehmuth - ich kann es nie aussprechen ohne ein(en) Widerhall zu hören, in dem viel mehr enthalten ist, viel mehr und viel schöneres und traurigeres .-Bin sehr gespannt auf Ihren nächsten Brief - Ich bleibe vorderhand noch hier. Titi Taxis kommt Freitag auf ein paar Tage, und Pascha ist in Venedig wo es Fritz passabel geht; er will aber Luft wechseln (Fritz nämlich) und ich glaube es wird gut für ihn sein. Mein Herr und Gebieter will Gemsen schießen und Erich ist auch noch in Wien. Die allerherzlichsten Grüße MT
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