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“Vor allem erschrecken Sie nicht…”

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke
Segnatura: 142
Data completa: 1920 set. 02
Descrizione: Briefwechsel: n. 322
Trascrizione: Vor allem erschrecken Sie nicht über dieses ganz reactionnäre Schreibpapier, Serafico carissimo, ich besitze momentan kein anderes (es war noch von meinem armen Schwiegervater!!) und ich will Ihnen schon lange schreiben, kam aber faktisch nicht dazu! Vielen Dank für Ihren Brief vom 19ten - obwohl der Dank etwas der «Wollust der Creaturen» ähnelt - er ist «gemenget mit Bitterkeit» aber so lange Sie nicht ganz absagen tröste ich mich und halte weiter das kleine Haus für Sie im Vorrath - Ich hoffe daß, wann immer Sie kommen würden, Ihre Einsiedelei zu haben sein wird. Und jetzt alle Nachrichten die Sie wünschen: Die Kinder und Pascha sind noch hier bis mitte September. Kassner ist leider seit zwei Tagen abgereist; er war sehr empört daß Sie nicht gekommen sind. Aber ich hoffe daß er im October oder im Winter wieder erscheint. Ich fand ihn sehr in Form, heiter und gut aussehend (unberufen!) Die Geschwister Dietrichstein (Alexander und Olga) waren einige Tage hier; Sie wissen daß der Vater Hugo vor kurzem ganz plötzlich gestorben ist. Ich weiß nicht ob es für Olga (Mutter) ein sehr großer Herzensschmerz ist, aber wie ich sie kenne wird sie ganz verloren sein. Ich denke auch daran sie später zu besuchen. - Wenn Sie nicht zu spät kommen werden Sie auch den Professor noch hier finden und viel Schönes hören können - im Winter wird er wohl einige Conzerttournéen absolviren. Sie wissen Serafico daß sich Mariedl «ein Buch mit lauter Gedichten nur von Herrn Rilke» gewünscht hat. Das war ein etwas complizirter Wunsch - ich habe ihr also Gedichte von Ihnen copirt, und seufzend ausgesucht. Sie hat sich so gefreut Sie zu sehen und im Stillen gehofft daß Sie ihr was in das Buch selbst schreiben. Aber jetzt gehen die guten Mädeln in einigen Tagen nach Zangberg zurück. Sie haben beide sehr hübsche Köpfe und sind die besten Kinder von der Welt. Leider hergerichtet zum Weinen und uns so viel als möglich entzogen - mit dem Resultat daß sie nichts so wünschen als mit uns zu sein. Die Kinder von Pascha sind zu herzig. Raymond wächst sich ganz auf Alex hinaus - für den er auch eine wahre adoration hat. Serafico ich schreibe Ihnen einen dummen Brief; aber ich habe viel trauriges erlebt in der letzten Zeit - darüber mündlich - und da bin ich sehr wenig dans mon assiette. Wie gerne möchte ich mir Genf und überhaupt diesen Theil der Schweiz mit Ihnen ansehen! Wenn das Reisen nicht so erschwert wäre - ich gestehe daß mir auch manchmal cette terre de Bohémie mühsam wird - Alles alles Herzliche von uns Allen. MT
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