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“Noch klingt und singt es mir in Kopf und Herz…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Data completa:

1922 giu. 11

Descrizione:

Briefwechsel: n. 369

Trascrizione:

Noch klingt und singt es mir in Kopf und Herz Serafico, und noch finde ich keine Worte um Ihnen zu sagen was ich empfunden habe, wie ich entzückt und erschüttert war - Und noch immer staune ich über das wollende Schicksal das Sie bei der Hand führte, bis die herrlichste Frucht gereift war - «der klagenden Kinder einer» - wären Sie gewesen sagte die Unbekannte aber sonst nicht früher incarnirt - «sonst wäre er eben kein Poeta» - Jetzt aber ist er da, «der singende Gott» - Der Dichter den ich in dieser schmerzlichen Zeit für Deutschland ersehnte, die jubelnde Stimme die sich über alle Klagen, über allen Jammer erheben sollte, ich habe beide gesehen und gehört, und ich danke Gott daß es mir gegeben wurde das zu erleben - dieser Trost für die Vergangenheit, dieser Jubel für die Gegenwart, diese unsägliche Hoffnung für die Zukunft - Serafico, trotz allem Düsteren was Euch trennt in diesem Wandeln: «Benedetta colei che in te s’incinse»! Ich schreibe Ihnen fast bei Morgengrauen, denn heute ist Sonntag, die Kinder erscheinen bald und da komme ich zu nichts. Die Reise ging gut von statten - Raymond und Louis warteten auf der Bahn. Schöne herzige sehr intelligente Kinder die mit einer rührenden Liebe an uns hängen. Ich bleibe bis Freitag, fahre dann über Freiburg und Bregenz nach Wien. Das Wetter hat sich geändert, ist grau regnerisch und recht kühl - ich sehe Sie in Ihrem heimlichen Studierzimmer und möchte dabei sein. Wäre es nicht daß ich wirklich schon dränge nach Hause und zu Alex der jetzt viele Sorgen hat und mir etwas nervos nach seinen Briefen vorkommt, so würde ich nach Sierre zurück. Erst heute abends komme ich dazu diesen Brief zu schließen. Ich habe einen guten Zug entdeckt mit welchem ich circa 1 ½ (13 Uhr) in Zürich ankomme - von Zürich weiter 1750 - in Bregenz an um 22. In Bregenz müßte ich einen Tag bleiben - dann ab 1030 Salzburg an 23. Salzburg ab 1430, an Wien 2135. Mir scheint diese Stunden wären nicht schlecht - ich werde mich morgen in Genf erkundigen ob sie richtig sind - Ich denke Samstag nach Bregenz, Sonntag dorten bleiben und Montag weiter - werde Ihnen noch telegrafiren ob es bei den Tagen und Stunden bleibt - Und nun schließe ich es ist schon spät - Hoffentlich auf baldiges Wiedersehen - ich denke an Sie, Serafico, mit unbeschreiblicher Freude und unaussprechlicher Dankbarkeit. MT
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