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“Ach! Serafico carissimo. Les beaux esprits se rencontrent…”

Sottoserie:

Lettere di Marie Thurn und Taxis a Rainer Maria Rilke

Segnatura:

204

Data completa:

1925 set. 25

Descrizione:

Briefwechsel: n. 433

Trascrizione:

Ach! Serafico carissimo - les beaux esprits se rencontrent - (höchst unbescheiden von mir!) gerade dieser Tage hatte ich mir vorgenommen Carl B(urckhardt) zu schreiben um zu erfahren wo Sie zu finden wären - da ich so lange, nichts von Ihnen hörte und nicht wußte wohin adressiren. Und da ist Ihr Brief aus Ragaz!! Ja das ist betrübend! Ich hätte es so genossen wieder einmal mit Ihnen einige schöne Stunden zu verleben - Sie wissen ja - Sie sind für mich der Zauberer der alle Dinge magisch verwandelt. Und ich sehe Sie, in einsamer Herrlichkeit, in der langen Allée, vor dem Kurhaus, oder über die kleine Brücke wandeln - Hoffentlich sind Sie mit den Bädern zufrieden; heuer war ich nicht so wohl wie voriges Jahr - aber es war nicht die Schuld von Ragaz sondern von einer innerlichen Verstimmung welche meine Kur unterbrochen hat. Auch Alex der, denken Sie, mit einer heftigen Bronchitis von London kam (in 3-4 Tagen übrigens, vom ausgezeichneten Dr Kornmann, kurirt) machte mir etwas Sorgen. Er gibt es zwar nicht zu, aber nach einem Winter am Aequator ist man doch empfindlich. Und hier, Serafico, waren wir in Juli und August über 50 Personen im Haus - Also von einem Ausruhen gar keine Rede. Das ganze Dutzend Enkeln beisammen! Lauter auffallend schöne Kinder, das muß ich sagen - aber der Spektakel! Dr Kassner ist 6 Wochen da gewesen, hat sehr fleißig gearbeitet, trotz Spektakel - etwas wunderschönes geschrieben: Christus und die Weltseele ... Jetzt ist die «Ménage Titi» hier - und ich möchte mit Titi, ende des Monats, nach Kuchelna zu Mechtild Lichnowsky; würde mich freuen diese merkwürdige Frau näher kennen zu lernen. Alex ist auf seine Hirsche, Pascha baut in Duino, hofft bald fertig zu sein. Soll dieses Jahr 1925 ein böses Jahr sein? Es enthält zwar meine beiden Lieblingszahlen, 9 und 5 - aber gesundheitlich kann ich es vorderhand auch nicht sehr loben. Die Kälte, der Regen, - ich friere, und sehne mich unbeschreiblich (trotz der momentanen Sonnentage) nach dem Süden. Ich sehe daß Ihre Stimmung auch trübe ist - vielleicht waren Sie wirklich zu lang dans cette atmosphère a haute pression, von Paris; wie vieles würden Sie mir zu erzählen haben! Aber wann und wo! Ich sage Ihnen, pour tous les cas possibles, daß ich, im Dezember, mit Pascha (und seinem Auto,) nach Rom zu kommen hoffe. Alex will auch dabei sein. Das Hôtel Eden ist angenehm, gute Küche und nicht übermäßig theuer; ich denke wenigstens 6 Wochen zu bleiben. Daß ich mir wünsche ein wenig nach Sizilien zu schauen - wo ich nie war! ist noch dans le vague und mir eigentlich erst jetzt bewußt geworden. Wie herrlich wäre es mit Ihnen Taormina und die Mosaiken von Monreale anzusehen - Ich höre daß Sie franz(ösische) Gedichte herausgeben, Serafico - les vergers? Ist es so? Wie sehr liebe ich dieses Wort, verger, wie voll geheimnissvollem Zauber ... ich glaube wir sprachen einmal davon. Ich weiß nicht recht wohin diese Zeilen zu schicken - Sie sagen mir nicht wohin Sie sich nach Ragaz wenden wollen. Sie haben wohl keine Lust herzukommen wo wir so entzückt wären Sie über October zu haben (ich könnte Ihnen ein ganz ruhiges Zimmer versprechen -) Aber nach Duino, nächstes Jahr, Serafico, nach Duino D. D. D.! Alles alles Herzliche MT
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